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Schwarzweiß-Filmstill aus „Jonas“: Ein Mann steht nachts allein auf einer Straße zwischen hohen Wohnhäusern, Scheinwerferlicht im Hintergrund.

Der mutigste deutsche Film seiner Zeit: „Jonas“ im MuSeele

Ein Film, der einst als „mutigster deutscher Film seiner Zeit“ gefeiert wurde und heute fast vergessen scheint, kehrt zurück auf die Leinwand. Mit „Jonas“ zeigt das MuSeele im Christophsbad ein Werk, das Großstadt, Nachkriegszeit und seelische Innenwelten eindrucksvoll miteinander verbindet. prisma ist gespannt: Wird „Jonas“ auch fast 70 Jahre später wieder zum Gesprächsthema?
Inhalt & Quicklinks

Filmvorführung: „Jonas“ im MuSeele DANEBEN

Am Mittwoch, 4. März 2026, um 17 Uhr zeigt das MuSeele im Veranstaltungsraum DANEBEN den Film „Jonas“ von Ottomar Domnick. Die Vorführung findet im Klinikum Christophsbad in Göppingen statt. Dr. med. Markus Löble, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, führt in den Film ein und steht im Anschluss für ein gemeinsames Gespräch zur Verfügung. 

Der 84-minütige Film gilt als wiederentdeckter Klassiker des avantgardistischen deutschen Kinos. In Kooperation mit der Sammlung Domnick bringt das MuSeele das vielfach ausgezeichnete Werk erneut auf die Leinwand. So entsteht eine besondere Gelegenheit, Filmgeschichte neu zu entdecken und einen Abend zu erleben, der Kino, Zeitgeschichte und persönliche Einordnung miteinander verbindet.

Außenansicht des MuSeele im Klinikum Christophsbad in Göppingen mit gelber Fassade und blumengeschmückten Fenstern.
Schwarzweiß-Filmstill aus „Jonas“: Nahaufnahme eines Mannes hinter einer regennassen Scheibe, der mit dem Finger nach vorne zeigt.
Filmstill aus „Jonas“ (1957) | © Filmgalerie 451

„Jonas“ im MuSeele: Zwischen Einsamkeit und Aufbruch

Als „Jonas“ 1957 in die Kinos kam, sorgte der Film für Aufmerksamkeit. Ottomar Domnick, selbst Psychiater, erzählt die Geschichte eines Einzelgängers in der modernen Großstadt. Zwischen Kriegserfahrungen und der gefühlten Kälte der jungen Bundesrepublik entsteht das Porträt eines Menschen, der seinen Platz in einer sich verändernden Gesellschaft sucht.

Der Film verbindet eindrucksvolle Bilder mit einer ungewöhnlichen Erzählweise und gilt heute als früher Vorläufer des Neuen Deutschen Films. Zur Zeit seiner Veröffentlichung wurde „Jonas“ von der Kritik gefeiert. Die Süddeutsche Zeitung schrieb damals vom „mutigsten, einsamsten und unwiederholbarsten deutschen Film unserer Tage“. Auch fast 70 Jahre später wirkt das Werk erstaunlich zeitlos und regt zum Nachdenken an.

MuSeele: Ein besonderer Ort für besondere Filmgeschichte

Dass „Jonas“ im MuSeele gezeigt wird, ist kein Zufall. Das Museum für Psychiatrie im Klinikum Christophsbad widmet sich seit 25 Jahren der Geschichte der seelischen Gesundheit, ihren Krankheitsbildern, Therapien und den Menschen dahinter. Jährlich besuchen rund 3.000 Interessierte das Haus, sei es in Gruppen oder während der regulären Öffnungszeiten.

Mit dem Veranstaltungsraum DANEBEN verfügt das MuSeele zudem über einen eigenen Rahmen für Lesungen, Vorträge und Filmabende. Seit mehreren Jahren besteht außerdem eine enge Kooperation mit der Sammlung Domnick in Nürtingen, die das künstlerische Erbe des Ehepaars Greta und Ottomar Domnick bewahrt. So verbindet die Filmvorführung auf besondere Weise Psychiatriegeschichte, Kunst und Kino.

Ausstellungsansicht im MuSeele mit Collage zu Sigmund Freud, historischen Abbildungen und medizinischen Objekten an der Wand.

Bambi mit regionaler Geschichte

Für „Jonas“ erhielt Ottomar Domnick einen Bambi als künstlerisch wertvollster deutscher Film.

Der traditionsreiche Medienpreis wird bis heute in Süßen gefertigt. In der Manufaktur Strassacker wird die Figur aus Bronze gegossen und anschließend mit echtem Gold versiegelt.

Damit verbindet die Auszeichnung Filmgeschichte mit echter Handwerkskunst aus der Region.

Logo des MuSeele – Museum der Seele im Klinikum Christophsbad Göppingen.

Filmvorführung „Jonas“ im MuSeele

Mittwoch, 4. März 2026 | 17:00 Uhr | Eintritt: 2 Euro

Titelbild: „Jonas“ (1957), Filmstill | © Filmgalerie 451

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